Die B-Movie-Einsatztruppe: Strange Brigade


 

Nach Scharfschützen-Missionen in Afrika und dem Kampf gegen Nazi-Zombies wagt sich der britische Traditions-Entwickler Rebellion an ein Multiplayer-Abenteuer, das sich ausgiebig bei Pulp-Serien der 1930-er bedient: Als Mitglieder einer britischen Spezialeinheit für den Kampf gegen das Übernatürliche müssen die Spieler bei "Strange Brigade" in altägpytischen Ruinen aufräumen. Mehrspieler-Fans haben bei dem taktisch angehauchten Gebolze besonders viel Spaß, aber notorische Action-Solisten kommen auch auf ihre Kosten.

Stöhnende Zombies, torkelnde Mullbinden-Männer, übergroße Krabbelviecher, ägyptische Gottheiten und Axt-schwingende Minotauren: Die Gegner in der Koop-Ballerei vom britischen "Sniper Elite"-Macher Rebellion sind Legion - und wenn man sie nicht schnell genug mit Waffengewalt von der Platte putzt, dann übermannen sie einen durch schiere zahlenmäßige Überlegenheit. Doch genauso B-Movie-artig wie die feindliche Front über die Koop-Kämpfer der "Strange Brigade" schwappt, so Genre-gerecht wehrt sich die bunt zusammengewürfelte Truppe ihrer Textur-Haut: Alle vier Mitglieder der auf übernatürliche Phänome spezialisierten Sondereinsatz-Truppe ballern mit archaischem Schießgerät in den Monster-Pulk, wie man sie aus den 30-er-Jahren kannte. Senn genau diese Ära wird in "Strange Brigade" mit reichlich Augenzwinkern zitiert.

Je nachdem, ob man sich als schießwütiger Soldat, als magisch talentierter Gelehrter, Ingenieurin oder als afrikanische Aufklärerin ins schnappende, geifernde und Klauen-bewehrte Getümmel stürzt, stehen der eigenen Figur dabei andere Spezialfähigkeiten zur Verfügung: Hat man durch das Austeilen oder Einkassieren von Schaden den entsprechenden Energiebalken lange genug gefüllt, wird auf Knopfdruck ein extra-machtvolles Manöver entfesselt, das von lodernden Flammenbällen bis zu magischen Roundhouse-Kicks reicht. Ansonsten hilft die angestaute Angriffs-Energie dabei, die normalen Schüsse und Nahkampf-Angriffe der Kämpfer noch verheerender zu machen. Wer sich beim Kampf gegen das untote Gesocks lieber auf durchschlagskräftige Waffen-Technik verlässt, der schaut regelmäßig bei einer von vielen, meist in Basis-Lagern aufgestellten Werkbänken vorbei: Hier können Prügel und Bleipusten mit magischen Klunkern verstärkt oder für erballertes Gold noch stärkere "Handwerkszeuge" erstanden werden.

 



 

Wird es im Gefecht gegen altägyptische Monstrositäten trotz geballter Feuerkraft und magischer Tricks zu eng, hilft vielleicht ein aufmerksamer Blick in die Level-Umgebung: Hier laden allerlei arglistige Fallen dazu ein, durch gezielten Beschuss aktiviert zu werden. Treten rotierende Klingen, aus dem Boden fahrende Speere, Fallbeile oder schwingende Baumstämme erstmal in Aktion, bleibt kein Zombie-Auge trocken und verwandelt sich die von frühzeitlichen Ruinen gesäumte Kulisse in ein Schlachtfeld.

Obwohl man das witzige Pulp-Movie-Massaker notfalls auch alleine durchqueren kann, entfaltet "Strange Brigade" sein volles Potenzial erst als Koop-Shooter: Wer sich zu viert den Schrecken des alten Ägypten stellt, der erlebt dank reichhaltiger Bewaffnung und tödlichem Fallen-Angebot ein überraschend taktisches Abenteuer. Ballert man sich dagegen als Singleplayer durch die weit verzweigten Level-Labyrinthe, arbeitet man sich durch ein zwar effektvolles, aber ansonsten vergleichsweise simples Action-Gebolze ohne nennenswerte Abwechslung. Das wird zwar hin und wieder von seichten Rätseln aufgelockert, aber die sind zwischen Blei- und Magie-Gewitter bestenfalls Staffage.

Aber so oder so gilt: Wer einen humorvoll-trashigen Multiplayer-Ausflug ins alte Ägypten sucht, der kann mit der liebevoll gestalteten "Strange Brigade" nichts falsch machen.

 

Note: 8.5 (SEHR GUT)

 

 

WERTUNGEN: 1.0, 1.5, 2.0 = ungenügend • 2.5, 3.0, 3.5 = mangelhaft • 4.0, 4.5, 5.0 = ausreichend • 5.5, 6.0, 6.5 = befriedigend • 7.0, 7.5, 8.0 = gut • 8.5, 9.0, 9.5 = sehr gut • 10 = bahnbrechend