Im Spielzeug durchs Action-All: Starlink – Battle for Atlas


 

KRITIK • PS4, Xbox One, Switch • Zwei Jahre, nachdem Activision seine ehemals erfolgreichen "Skylanders" einmotten musste, wagt sich Ubisoft mit einem eigenen "Toys to Life"-Spielkonzept aus der Deckung: Dafür verlegt man das Konzept eines Spielzeug- und Spiele-Hybriden von erdigen Fantasy-Welten in den Weltraum. Hier will die von der Erde stammende Crew der "Equinox" in neue Regionen des Weltraums vordringen. Doch als man schließlich auf das Sternsystem Atlas stößt, wird der Kopf der Expedition von einem finsteren Alien-Kult entführt, der es auf Technologie und Ressourcen der Terraner abgesehen hat. Also schwingen sich die verbliebenen Kollegen in ihre schnittigen Einmann-Jäger, um auf den verschiedenen Planeten und im Weltraum dazwischen nach ihrem Chef zu suchen.

Für den Spieler bedeutet das einen regen Wechsel zwischen den Raumschiff-Modellen, denn jedes der spacigen Vehikel hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Welche genau - das verrät ein Blick in den Status-Bildschirm des jeweiligen Jägers. Wer zum Beispiel der Meinung ist, dass sein fliegender Untersatz für die bevorstehende Mission nicht stark genug gepanzert ist oder ein Defizit bei der Manövrierfähigkeit aufweist, der wechselt entweder das Schiff oder tauscht einzelne Komponenten aus. Wie zum Beispiel die Flügel (hier lassen sich sogar bis zu drei Paar miteinander kombinieren bzw. aufeinander stecken), die daran montierten Waffen oder sogar den Piloten selber.

 

Anders als bei den "Skylanders" oder "Disney Infinity" werden die Plastik-Modelle dafür nicht auf einem Portal platziert, stattdessen verfügt "Starlink" dafür über eine per USB mit der Konsole verdrahtete Halterung: Die klemmt man zunächst wie eine Spange an den Controller, anschließend werden darauf der Pilot und das Raumschiff platziert. Das Anstecken und Abziehen der erfreulich robusten Elemente funktioniert zwar tadellos – allerdings sollte man Raumschiff beziehungsweise Halte-Bügel vorsichtshalber gut festhalten, damit keine Bauteile durch die Gegend fliegen. Überdies sind Modell und Halterung weit genug vom Gamepad entfernt, dass zumindest halbwegs zarte Hände genug Platz haben, um Sticks und Buttons auch weiterhin bedienen zu können. Wer dagegen massive Greifwerkzeuge hat, der sollte Halterung nebst Modell abnehmen und stattdessen vorsichtig auf einem Couch-Kissen platzieren. Solange die Konstruktion per USB-Kabel mit der Konsole verbunden ist, lässt sich das Weltraum-Abenteuer auch auf diese Weise bestreiten. Alternativ entscheidet man sich beim Starten von "Starlink" für eine rein digitale Spielweise: In diesem Fall werden die zuvor als Spielzeug gekauften Modelle, Waffen und Piloten über die Ingame-Menüs getauscht – oder man kauft neue Zusätze stattdessen gleich in digitaler Form. Schade: Displays oder Ständer, mit denen man die Raumschiffe im Regal oder einer Vitrine zur Schau stellen kann, wenn sie gerade nicht in Benutzung sind, werden leider keine angeboten.

 



 

Die Modelle selber sind nämlich recht hübsch gestaltet – auch wenn die Verarbeitung nicht mit Activisions Skylanders-Spielzeugen konkurrieren. Bei den optischen Spezialeffekten variieren die Spielzeuge dezent – aber grundsätzlich beschränkt sich die Effekthascherei auf glühende Triebwerke und einige leuchtende Waffenkammern. Für 30 Euro pro Modell wäre eine hübschere Ausstattung nett gewesen, aber Immerhin enthält jedes "Starship Pack" noch den dazugehörigen Piloten und eine Waffe. Ebenfalls nicht ganz günstig sind die "Weapon Packs": Die bergen für zwölf Euro zwei wichtige, aber leider recht detailarm modellierte Argumentverstärker. Am günstigsten sind die "Pilot Packs": Die kommen für acht Euro mit einem etwa drei Zentimenter großen Flugkünstler. Nur etwa ein Dutzend verschiedene Modell-Pakete liefert Ubisoft derzeit auf diese Weise aus: Man scheint die Akzeptanz für ein neues "Toys to Life"-Paket also vorerst nur vorsichtig antesten zu wollen. Die Investition hält sich für Sammler demnach im Rahmen – zumal sich das Spiel grundsätzlich mit dem im Start-Pack enthaltenen Schiff durchspielen lässt. Schließlich gibt es auch im Spiel selber reichlich Möglichkeiten, Schiffs-Bauteile und den Piloten zu verbessern. Verglüht das Vehikel in einer turbulenten Schlacht, kann der Austausch von Modellen als eine Art Extraleben eingesetzt werden, um an Ort und Stelle weiter zu ballern. Ansonsten wird man nach dem Ableben an den letzten Checkpoint zurückversetzt. Aber selbst dabei nimmt das Spielspaß-Triebwerk keinen nennenswerten Schaden – denn angeschlagene Boss-Gegner warten brav darauf, bis man den Kampf wiederaufnimmt. Dabei nutzen die kolossalen Weltraum-Ekel die bis zu unserem Wiedereintreffen verstreichende Zeit nicht mal, um ihre aufgezehrten Energie-Reserven wieder aufzufüllen.

Wer "Starlink" auf der Switch spielt, bekommt anstelle der bei PS4 und Xbox One üblichen Schiff-Piloten-Kombi übrigens Nintendos Weltraum-Promi "Starfox" nebst passendem Flugvehikel geliefert – zusätzlich zu einigen Missionen, die speziell auf den plüschigen Science-Fiction-Helden und seinen kantigen Jäger zugeschnitten sind. Naturgemäß muss man für diesen Luxus allerdings die etwas detailärmere Grafikkulisse in Kauf nehmen.

 



 

Doch auch ohne den japanischen Action-Promi in der Packung drängt sich der Vergleich förmlich auf: Denn Fluggefühl und Action-Gameplay des Abenteuers erinnern überdeutlich an die "Starfox"-Serie. Mit dem eigens im Spielzeug-Hangar gepimpten Raumschiff durch die Tiefen des "Atlas"-Alls oder mit voll aufgedrehten Triebwerken über die Oberfläche idyllischer, bunter Alien-Welten zu preschen, während man in Minutenschnelle die verschiedenen Tag- und Nachtzonen passiert – das macht nicht nur visuell eine Menge her, sondern fühlt sich obendrein auch unglaublich gut an.

 

Allerdings lebt "Starlink" nicht nur von seinem hohen Action-Anteil – und den zahllosen Gefechten mit Golem-artigen Monstrositäten, deren Beschuss man durch flinke Links/Rechts-Haken, aber ebenso mit kurzen "Sprüngen" ausweichen kann. Genauso wichtig ist das Sammeln von Ressourcen oder Scannen von einheimischen Tieren, die Erinnerungen an Hello Games' gigantisches "No Man's Sky"-Universum wecken. Anders als in dem bekannten Indie-Game darf man bei "Starlink" die Kanzel des Raumschiffs zwar nicht verlassen, aber dafür kann man die verschiedenen Welten ebenso frei erkunden und auch hier nahtlos von der Planetenoberfläche in den umgebenden Weltraum wechseln. Schade nur, dass auch das zugänglichere "Starlink" unter sich zu schnell wiederholenden Spielmechanismen leidet: Die sieben wunderschön gestalteten Welten mitsamt ihren prachtvollen Sonnenaufgängen und wabernden kosmischen Nebeln nach Ressourcen zu durchforsten – das macht nur so lange Spaß, wie man sich nicht an den ständig gleichen Sammel- und Action-Abläufen stört, während das Innere der Alien-Ruinen leider verheißungsvoll gestaltetes Dekor bleibt. Open-World-geübte Gamer indes dürfte das kaum schrecken, denn das Genre der ganz großen Bewegungsfreiheit leidet seit jeher unter repetitiven Tätigkeiten.

Wer eine komfortable und leicht verständliche Alternative zu "No Man's Sky" mit "Starfox"-Feeling sucht, der ist hier sowieso goldrichtig. Ganz günstig ist der Spaß zwar nicht – aber das waren Spiele-Titel nach "Toys to Life"-Konzept noch nie. Bleibt nur zu hoffen, dass die Überstrapazierung des Gamer-Geldbeutels durch "Skylanders", "Infinity" und "LEGO Dimensions" die Toleranzschwelle der Kunden so sehr gesenkt hat, dass "Starlink" jetzt darunter leiden muss. Denn Ubisofts Vorstoß ins "Toys to Life"-Universum hat es verdient, dass man sich ihm vorbehaltlos nähert – zumal die Rezeptur hier längst nicht so skrupellos ausgebeutet wird wie bei den Vorgängern. Einziges echtes Manko ist die auf "Power Rangers"-Niveau erzählte und zuweilen ganz schön fremdschämig erzählte Geschichte – die sollten gerade erwachsene Spieler lieber ausblenden.

 

 

Note: SEHR GUT

(Test-Hardware: PS4 Pro)