Weniger denken, mehr draufhaufen: "Darksiders 3"


 

Nach dem Untergang von US-Publisher THQ sah es jahrelang so aus, als würde dessen "Darksiders"-Reihe unvollendet bleiben - doch jetzt haben der neue Rechte-Inhaber THQ Nordic und Gunfire Games die Herausforderung angenommen: Ihr "Darksiders 3" rückt nach "Krieg" und "Tod" die apokalyptische Reiterin "Fury" in den Vordergrund. Die soll auf der von Engel und Dämonen zerstörten Erde die Sieben Todsünden in Endgegner-Gestalt bezwingen. Fans der Vorgänger müssen sich bei der Mixtur aus knackigen Kampfspiel-Duellen und Adventure-Logik allerdings auf einige Änderungen einstellen.

In seine "Darksiders"-Reihe hat der ehemalige US-Hersteller THQ zwischen 2010 und 2013 all seine Hoffnungen gesetzt, als er wegen diverser Fehl-Investitionen bereits im Sterben lag: Die Geschichte um die zu Antihelden umfunktionierten Apokalyptischen Reiter kombinierte Gameplay-Elemente von Nintendos beliebter "Zelda"-Reihe mit dem Kampfspiel-Handling eines "God of War" und den Rollenspiel-Genen eines "Diablo". Doch trotz guter Wertungen und eines positiven Gamer-Echos konnten die beiden ersten Episoden des geplanten Vierteilers den angeschlagenen Hersteller nicht retten: THQ ging pleite - und "Krieg" sowie "Tod" blieben die einzigen Reiter, die sich auf ihr Ross schwingen durften. Der Rest der spielerisch packenden, aber konfus gestrickten Fantasy-Story um Engel, Dämonen und eine kosmische Verschwörung blieb unerzählt.

Bis jetzt: Inzwischen hat "Nordic Games" das Erbe von THQ angetreten und sich deshalb inzwischen in "THQ Nordic" umbenannt. Zusammen mit dem US-Entwickler Gunfire-Games, der viele ehemalige Angestellte des ehemaligen "Darksiders"-Studios Vigil beschäftigt, konnt man jetzt den von Fans herbeigesehnten dritten Teil der Reihe fertigstellen. Der hat das ursprüngliche Spielkonzept der Reihe allerdings spürbar verändert: Anders als ihre Brüder Krieg und Tod ist Reiterin "Fury" ("Zorn") mehr Action- als Adventure-Heldin, außerdem schlummert eine gehörige Portion "Dark Souls" in ihrer mit viel Schmackes geschwungenen Kettenpeitsche.

Anders als ihre Brüder Fury auch keine weite und offene Spielwelt, sondern kämpft sich durch eine vergleichsweise enge, Labyrinth-artige Aneinanderreihung aus Gängen, Höhlensystemen und verwinkelten Ruinen. Die lassen sich zwar weitgehend frei bereisen, bieten aber spürbar weniger Bewegungsfreiheit als die Szenarien der Vorgänger-Spiele.

 



 

Auch die Art und Weise, in der Fury ihre Umgebung erfährt und bekämpft, hat sich spürbar verändert. Wo früher "Zelda"-ähnliche Umgebungs-Rätsel und an Sonys "God of War"-Reihe angelehnte Kampfspiel-Exzesse dominierten, bedient sich das neue "Darksiders" bei Froms "Dark Souls"-Reihe. Gespielte Härte ist demnach Programm. Vorbei sind die Zeiten, in denen sich ein Reiter durch ganze Horden von Dämonen metzeln und sie mühelos ummähen konnte - Fury muss ihre Feinde einzeln stellen und in knallharten Duellen auseinandernehmen. Vorausgesetzt, die zickige Kamera und die Technik machen ihr dabei keinen Strich durch die Rechnung - denn aktuell leidet "Darksiders 3" unter zahlreichen Schwierigkeiten wie Rucklern, eingefrorenem Bildschirm oder Sound-Aussetzern.

Wer seine Feinde trotz des knackigen Schwierigkeitsgrades und technischer Zickereien bezwingt, für den winken wie in den Vorgängern und in den "Souls"-Spielen jede Menge Seelen als Belohnung. Die kann er später beim bereits aus Teil 1 und 2 bekannten Dämonen-Dealer Vulgrim gerne Extras eintauschen: darunter nützliche Gebrauchsgegenstände wie Heil-Kristalle, aber aber vor allem die lebenswichtigen Level-Ups, mit denen Fury ihre wichtigsten Attribute aufpeppt. Wem das an "Dark Souls" angelehnte Bildschirm-Gemetzel zu hart ist, der kann es an dieser Stelle durch ganz viel Fleiß-Arbeit entschärfen: Einfach die bereits abgearbeiteten Szenarien noch einmal spielen, dabei eifrig mit eroberten Seelen hoch-leveln - und schon verlieren die kraftstrotzenden Feinde merklich an Biss. Auch fleißiges Objekt-Sammeln hilft: In vielen der aufgelesenen Kleinodien verbergen sich Seelen, die sich nach Zerstörung des Gegenstands aufs Erfahrungskonto der Heldin überweisen lassen.

Schade: Zugunsten der härteren Gefechte hat Entwickler Gunfire Games die "Zelda"-verwandten Umgebungs-Rätsel der Vorgänger-Teile auf ein Minimum reduziert. Noch immer muss die Reiterin fleißig neue Aurüstungsstücke und Fähigkeiten sammeln, um in zuvor verschlossene Teile der Spielwelt vordringen und kolossale Boss-Gegner bezwingen zu können. Allerdings sind dafür inzwischen eher ein muskulöser Dauerfeuer-Finger und katzenhafte Ausweich-Reflexe erforderlich als gut trainierte graue Zellen.

Wer mit dem deutlich nach oben geschraubten Action-Anteil und dessen knackigem Schwierigkeitsgrad kein Problem hat, bekommt allerdings einen launigen Action-Adventure-Cocktail serviert: Furys parallel zur Handlung von "Darksiders 1" und "Darksiders 2" spielendes Abenteuer erreicht weder die Klasse der Vorgänger noch bietet es die brachiale Inszenierung eines "God of War", aber Spaß macht es allemal. Gunfire Games ist es gelungen, trotz eines drastisch reduzierten Produktions-Budgets ein hochmotivierendes Action-Adventure auf die Beine zu stellen, das seine Stärken sinnvoll ausbaut, während es seine Schwächen gekonnt kaschiert. Abgesehen von der schwächelnden Technik, für die es hoffentlich bald das passende Update-Gegenmittel gibt.

 

Note: GUT