Zurück in die 2. Dimension: New Super Mario Bros. U Deluxe


 

Der wichtigste Starttitel für Nintendos glücklose Tablet-Konsole Wii U war kein Effekt-geladenes 3D-Spektakel und keine Minispiel-Sammlung, sondern ein klassisches 2D-Jump&Run: "New Super Mario Bros. U". Das ließ sich nicht nur in HD auf dem großen TV-Schirm, sondern auch auf dem Touchscreen des Gamepad-Controllers spielen. Umso besser ist die Switch-Neuauflage der sechs Jahre alten Hüoferei für den Handheld-Betrieb der aktuellen Hybrid-Konsole Switch geeignet: Nach dem hochkomplexen "Super Mario Odyssey" wirken die 2D-Bros. angenehm griffig und unkompliziert.

Wer das Jump&Run allerdings auf die große Mattscheibe wirft, der wird einen eklatanten Detail-Mangel beklagen: Das Game-Design mag nach wie vor makellos sein, doch visuell wirkte der Titel schon Ende 2012 wie mit der heißen Nadel gestrickt. Schuld war vermutlich die Notwendigkeit, zum Start der neuen Hardware schnell einen zugkräftigen Namen zur Verfügung zu haben - nur leider waren horizontale Mario-Abenteuer schon zu diesem Zeitpunkt wieder ausgelutscht. Mehreren DS- und 3DS-Ausflügen des Klempner-Helden sei Dank.

Dabei hat diese Episode einige Gamedesign-Ideen im Gepäck, die noch heute einiges her machen: Obwohl "New Super Mario Bros. U" im Grunde nichts wirklich neu macht (Mario und bis zu drei Begleiter springen von links nach rechts durch kunterbunte Kulissen und sammeln Münzen und Sterne im Akkord) und immer noch die alte Geschichte von der geraubten Prinzessin erzählt, sind Nintendos Designer nie um intelligente Neuerungen und Reminiszenzen in homöopathischen Dosen verlegen. Und obwohl die Detailverbesserungen jedes Mario-Game ein Stückchen besser machen, wird das jüngste Abenteuer für Solospieler dadurch vor allem komplexer, anspruchsvoller und - ja – auch spürbar frustiger.

 



 

So wird man unter anderem mit neuen Plattformen konfrontiert, die zunächst durch ein Drehmanöver von Mario aktiviert werden wollen, ehe man darauf landen kann. Oder mit Flug- und Schwebe-Extras wie dem  Flughörnchen-Kostüm, mit dessen Hilfe man sich an Wände klammern und Abgründe überwinden kann. Oder mit der Struktur der besagten Oberwelt, deren Territorien und Klimazonen jetzt nicht mehr räumlich voneinander getrennt sind, sondern wie in Marios Frühzeit einen einzigen, großen Klempner-Kontinent bilden. Oder, oder, oder… Kurzum: Obwohl Nintendo mit seinen 2D-Mario-Jump&Runs seit jeher vor allem die breite Kundenmasse und nicht nur die eingeschworene Fan-Gemeinde erreichen will, richtet man sich mit "New Super Mario Bros. U" - ob nun mit voller Absicht oder aus plumpem Versehen - in erster Linie an die Profis. Und damit an diejenigen passionierten Spieler, die all die neckischen Details (darunter auch drei niedliche Blähbauch-Yoshis mit unterschiedlichen Talenten) nicht nur bemerken, sondern die auch geduldig genug sind, um sie richtig auszukosten.

In eine ähnliche Kategorie fällt der Mehrspieler-Modus, bei dem sich bis zu vier Mario-Freunde je ein Joy-Con schnappen dürfen, um gemeinsam auf einem TV- beziehungsweise Switch-Schirm loszulegen. Obendrein bieten sich Toadette und Mopsie als spielbare Charaktere an: Während Mopsie bei einer Feind-Kollision keinen Schaden erleidet, verwandelt sich Toadette nach dem Aufsammeln einer Superkrone in die Doppelsprung-taugliche Peachette.

Wer weder Mario noch den beiden Mädels viel abgewinnen kann, darf sich alternativ mit Toad oder Luigi auf die Socken machen, denn Nintendo hat den Ableger "New Super Luigi U" in die "Deluxe"-Version integriert: Ursprünglich erschien Luigis Abenteuer als rein digitales Add-On für "New Super Mario Bros. U", später fand es als eigenständiges Produkt seinen Weg in die Ladenregale.

Wer von zweidimensionalen Mario-Erfahrungen nicht genug bekommen und obendrein das Wii U-Original verpasst hat, der kann mit der "Deluxe"Neuauflage nichts falsch machen. Vor allem dann nicht, wenn er sie unterwegs und auf dem Handheld-Screen genießen will.

 

Note: GUT