Leisure Suit Larry: Wet Dreams Don't Dry!


 

Kecke Macho-Sprüche, ein übersteigertes Selbstbewusstsein und eine ausgeprägte Schwäche für das schöne Geschlecht - das ist "Leisure Suit Larry", wie er leibt und lebt. Das vom Hamburger Studio Crazy Bunch entwickelte "Wet Dreams Don't Die" entführt den nimmermüden Playboy aus den 80er-Jahren per Zeitreise ins 21. Jahrhundert, wo er sich mit ganz neuen Flirt-Gepflogenheiten anfreunden muss.

KRITIK • PC, Mac • 1987 gehörte das erste "Leisure Suit Larry"-Adventure um Flirt-Versager Larry Laffer zu den Pionieren des Grafik-Adventures -doch bereits Anfang der 2000er fuhr Hersteller Sierra die ehemals erfolgreiche Marke gegen die Wand: Weil man Point'n'Click-Spiele im Zuge des 3D-Booms nicht mehr für zeitgemäß hielt, wurde Larry vom beklatschten Adventure- zum belächelten Minigame-Verführer.

Heute nehmen sich schließlich die auf Retro-Revivals spezialisierte Spiele-Schmiede Assemble aus Wiesbaden und die Hamburger von Crazy Bunch des einstigen US-Antihelden an. Inzwischen legt der renommierte Games- und Buch-Autor Falko Löffler dem Schwerenöter süffisante bis angenehm fremdschämige Dialogzeilen ins Schandmaul. Das Resultat ist "Wet Dreams Don't Die" - eine Mixtur aus deutscher Trickfilmgrafik, popkulturell-verspielter Vergangenheitsbewältigung und Liebeserklärung an die Point'n'Click-Koriphäen der guten alten Adventure-Frühzeit. Hier erwacht Larry nach Jahrzehnte-langem Tiefkühlkoma in einem finsteren Untergrund-Gewölbe - danach landet er geradewegs in seinem aus früheren Episoden bekannten Stamm-Lokal "Lefty's". Doch seit dem letzten Auftritt des nerdigen Casanovas hat sich die Welt ganz schön verändert: Allgegenwärtiger Smartphone-, Internet- sowie Social-Media-Wahnwitz sind für Larry erstmal ein herber Kulturschock - doch dann nutzt er sie dankbar, um seiner Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: schöne Damen anzuflierten. Oder Männer - denn an dieser Stelle gibt sich das neue Larry-Abenteuer erfreulich liberal.



 

Die Entwickler von "Crazy Bunch" nutzen das aberwitzige Szenario, um neben Larrys eigener Vergangenheit vor allem die digitale Gesellschaft der Gegenwart satirisch aufzuarbeiten: Durchgeknallte Influencer-Damen filmen sich sogar beim Brechdurchfall auf der Kneipen-Toilette, über Handys erscheint eine an die "Halo"-Kortana angelehnte Hologramm-Dame und in der Spitze eines Penis-Turms residiert ein schmieriger Möchtegern-Steve-Jobs über sein Smartphone-Imperium. An dieser Stelle trifft deutscher Brechstangen-Sex-Schwank à la Ralf König ("Kondom des Grauens") auf erstaunlich feinsinnig getexteten Retro-Humor. Humor übrigens, zu dem man erst dann vordringt, wenn man zu Spielbeginn eine ganze Latte von Fragen beantworten konnte, für die Crazy Bunch tief in der Mottenkiste der Popkultur gekramt hat: Was ist ein Elchtest? Wie hieß der Held von "Metal Gear Solid 2"? Wer war der Entwickler von "Minesweeper"? Wer solche Fragen nicht im Schlaf beantworten kann, dem bleibt nur ausgiebiges Googlen, um überhaupt ins Spiel zu kommen.

Unter dem Strich bleibt Larry also genau das, was er schon in den 80-ern war: Ein ganz schön fremdschämiges, aber auch durchweg sympathisches Kuriosum, das man einfach gernhaben muss. Zumal Crazy Bunch den Schwierigkeitsgrad seines Abenteuers angenehm moderat hält: Abgesehen von zwei etwas knackigeren Rätseln ist "Wet Dreams Don't Die" flüssig spielbares Entertainment, das sich eher als Gag- denn als Kopfnussfabrik versteht.

 

 

Note: GUT